MYTHOS MOSEL – ein persönliches Fazit


MYTHOS MOSEL – ein persönliches Fazit
Mosel auf deutscher Seite...
Mosel auf deutscher Seite…

Auf deutscher Seite mäandert die Mosel auf eine Länge von 240 Kilometern durch die Täler. Diese große Distanz erschwerte in den vergangenen Jahren den Austausch zwischen den Winzern… 

Bestrebungen, das Image des Anbaugebietes Mosel zu verbessern, laufen bereits seit den 80er Jahren. Das Bauwerk „neue Mosel“ besteht aus vielen Mosaiksteinen. Hier nur einige davon…

  • Veranstaltungen wie MYTHOS MOSEL oder SaarRieslingSommer tragen dazu bei, die Netzwerke enger zu spannen und sich besser auszutauschen. Es treffen sich verbandsübergreifend die Akteure aus den unterschiedlichen Gebieten der Mosel, Saar und Ruwer und das WIR-Gefühl wird gestärkt, man hat ein gemeinsames Ziel. Es gibt keine Berührungsängste mehr, sondern es findet ein natürliches Empfehlungsmanagement untereinander statt. Die Winzer haben erkannt, dass sie alle ein gemeinsames Ziel verfolgen: das Gebiet Mosel, Saar und Ruwer nach außen bekannt zu machen und neue, gemeinsame Kunden zu erschließen.
  • Die Mosel, Saar und Ruwer war auch immer schon voraus in Sachen junge Winzer – die Moseljünger gibt es beispielsweise seit 1999. Eine Zeit, wo deutscher Wein noch ein altbackenes Mosel-Image hatte und die Weinwelt für solche Vereinigungen noch nicht bereit war. Ab dem 2001er Jahrgang war Riesling-Renaissance – viele Jungwinzergruppierungen haben sich deutschlandweit gefunden. Und an der Mosel sind dann auch wieder die Moseljünger erwacht.
  • Die jungen Winzer genießen alle eine hervorragende Ausbildung, beispielsweise in Geisenheim, Neustadt oder Montpelliers.
  • Sie beobachten den weltweiten Markt und fahren nach Neuseeland, Südafrika oder in die Neue Welt, machen dort Praktika und arbeiten in Weingütern. Sie bringen diese Erfahrung mit nach Hause und realisieren, dass das, was sie zu Hause haben einzigartig ist. Sie erkennen, dass sie mit diesem Schatz des Terroirs der Mosel sorgsam umgehen müssen und nicht die Natur ausbeuten können.
  • Es gibt für Sie große Vorbilder. Sie schauen zu ihnen auf und treten gerne mit ihnen in den Dialog. Betriebe wie Egon Müller, J.J. Prüm, Markus Molitor haben schon immer ihren Fokus auf niedrige Erträge und hohe Qualitäten gelegt. So verwundert es nicht, dass beispielsweise Molitor nie mit Reinzuchthefen gearbeitet hat. Dadurch hat er die guten Kulturen in seinem Keller erhalten, was sehr entscheidend für die Qualität seiner Weine ist.
  • Winzer-Kollegen gehen aufeinander zu. Dieser Zusammenschluss wird heute gerne nach außen vermittelt. Mittlerweile gibt es viele Initiativen wie VDP, Bernkasteler Ring, Klitzekleiner Ring, Moseljünger, u.a.
  • Die Winzer verstehen es, ihr Alleinstellungsmerkmal, ihre Einzigartigkeit besser zu vermarkten. Die Weine sind frisch, jung, schlank, elegant und wieder einzigartig geworden. Moselweine sind immer schon geringer im Alkohol gewesen – mineralischer, feiner.
  • Es ist viel passiert in Weinbergsarbeit, Kellertechnik und Kellerhygiene. Dazu die Reduktion der Erntemenge. Der Winzer nimmt nicht mehr so wie es die Natur gibt, sondern reduziert den Behang und die Augen, so dass nicht so viele Früchtewachsen. Die Weine werden konzentrierter und dichter.  Die selektive Lese im Weinberg bringt Material sowohl für trockene Weine bis hin zu edelsüßen Weinen. Das Differenzieren, nicht alle Trauben gemeinsam zu lesen und zu keltern, das bringt zwar Verlust von Menge, aber höhere Qualitäten. Je weniger die Menge, desto hoher die Güte – dieses Denken hat in der Breite Einzug gehalten und sich in den letzten 15 Jahren durchgesetzt. Auch ein Resultat der besseren Ausbildung.
  • Der Anteil der Direktvermarkter ist sehr hoch geworden und an der Mosel sehr beliebt.

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Anfang der 90er Jahre gab es hier noch rund 10.000 Betriebe. Durch den Strukturwandel sind davon rund ¾ weggefallen, so dass jetzt noch rund 2.500 Betriebe den Weinbau bestimmen. Viele Winzer haben aufgegeben, weil sie keinen Nachfolger hatten. Die Kinder haben einen anderen Beruf ergriffen und keine Leidenschaft für den Wein gehabt. Steillagenrieslinge erzielten wenig Erlös.

Hinzu kommt, dass die Mosel in den 80er Jahren auch den Anschluss an die trockenen Weine verpasst hatte. Große Mengen an Süßweinen wurden produziert, weil sie im Export gut abzusetzen waren. Man hatte nicht wirklich die Notwendigkeit gesehen, da was zu ändern. Der Strukturwandel hat dazu beigetragen, den Markt zu bereinigen und Betriebe, die weiter gemacht haben, sind an Rebfläche größer geworden.

Der Markt hat sich verändert. Die Nachfrage nach jüngeren trockenen Weinen ist gestiegen. Ebenso gibt es eine steigende Nachfrage nach gereiften Weinen. In den 60er bis 80er Jahren unterlag man an der Mosel einer gewissen Technikgläubigkeit. Wenn es im Weinberg nicht so läuft, im Keller kann man noch viel machen. Das war Zeitgeist… Reinzuchthefe wurde der Wildhefe vorgezogen, weil das Risiko minimiert werden konnte. Wenngleich auch die Reinzuchthefen nicht zu verteufeln sind. Ein gut gemachter Reinzuchthefe-Wein ist mir allemal lieber als ein schlecht gemachter Spontangärer. Dennoch sind auf lange Sicht sind nach Meinung vieler Winzer die Weine, die spontan vergären langlebiger, entwickeln sich besser, sind komplexer und im Alkohol niedriger. Mosel ist das Gebiet, wo am meisten mit Wildhefe gearbeitet wird. Die Winzer wollen individuelle und komplexe Weine produzieren, eigenes Terroir, eigene Handschrift zeigen. Das erreicht man mit Wildhefen besser.

Und dann noch DAS Alleinstellungsmerkmal der Mosel, Saar und Ruwer: Feinherbe Rieslinge, nach dem Gesetzt halbtrocken, sensorisch trocken, mit wenig Alkohol. Der Anteil (fast trocken bis leicht süß) in dieser Kategorie ist sehr hoch. Viele Bereiche im Kulinarischen können flexibel abgedeckt werden. Der Trockentrinker sagt „ok einen feinherben kann ich noch trinken“ und auch derjenige, der gerne eher etwas Süßes trinkt, findet in diesem Segment Weine, mit denen er sich anfreunden kann. Gerade in der Gastronomie ist er aufgrund des höheren Restzuckergehaltes gut einsetzbar und mit vielen Speisen kombinierbar. Mit Fett, mit Schärfe, mit Süße, mit Aromen… Und dann macht auch ein gereifter Wein viel Spaß. Das Reifepotential der Weine ist enorm hoch. Gerade in der TOP-Gastronomie finden wir die Kunden, die diesem Thema offener gegenüber stehen.

Mittlerweile legen viele große Weingüter einige Flaschen von großen Weinen zurück und lassen sie im eigenen Keller reifen.

Ich wünsche uns allen, dass die Entwicklung weiter voran schreitet. Denn dann finden wir auch verdientermaßen die Weine der Mosel, Saar und Ruwer wieder an vorderster Front auf den Weinkarten dieser Welt…