b.e.w trifft – Markus Molitor


b.e.w trifft – Markus Molitor

Ausnahmewinzer mit historischer Dimension

Molitor

Markus Molitor auf meiner Riesling-Reise MYTHOS MOSEL zu besuchen, durfte ich mir nicht entgehen lassen. Diesem Ausnahmewinzer gegenüber zu sitzen, an seinen Lippen zu hängen und ein ganz klein wenig in seine Seele blicken zu dürfen ist ein Highlight in meinem Genießer-Leben.

Verkostungen in den erst vor rund 7 Jahren neu gestalteten Räumlichkeiten am Klosterberg in Bernkastel-Wehlen sind immer ein Erlebnis für alle Sinne. Molitor wurde dafür der Architekturpreis 2013 verliehen. Die Juroren lobten vor allem die sparsame Eleganz, die die historische Dimension des Weingutes betont, ohne Integration der modernen Elemente zu verschweigen. Die Anforderungen an eine moderne Weinbereitung, Präsentation, Verkauf sowie Bewirtung von Gesellschaften werden sensibel, elegant und konsequent in das gewachsene Ensemble integriert.

Als ich Markus Molitor begegne geht ein Hauch von Stärke, Gelassenheit und Ruhe von ihm aus. Irgendwie ähneln seine Weine ihm…

Herr Molitor, das Arbeiten in Steillagen ist nicht die leichteste Art Weine zu produzieren. Was hat Sie dazu inspiriert?

Ich stand als 19-jähriger am Fuße der Zeltinger Sonnenuhr und mir wurde bewusst, dass die Weine aus dieser Lage einmal Weltruf hatten. Hier wuchsen die teuersten Weine der Welt. Und ich stellte mir die Frage: Warum geht das heute nicht? Das war für mich die Initialzündung.

Was war der schönste Moment in Ihrem „Winzerleben“?

Die Vielfältigkeit meines Berufs lässt sich nicht im dem „einen“ schönsten Moment einfangen – vielmehr gibt es viele schönste Momente zu verschiedenen Zeiten im Jahreslauf, die mich immer wieder in meiner Leidenschaft bestärken: ob es der Austrieb der Reben nach dem Winter ist, eine goldgelbe Traube im Herbst, der erste Schluck des frisch gekelterten Mosts, die erste Flasche des neuen Weines nach der Abfüllung in der Hand zu halten oder einen gereiften Riesling aus der Schatzkammer erneut zu verkosten. Solche Momente machen meine Arbeit als Winzer besonders und sind ein großartiger Lohn für die tägliche Arbeit im Weinberg und Keller.

 

Was hat sich aus Ihrer Sicht in den letzten 5-10 Jahren verändert an Mosel, Saar und Ruwer?

An Mosel, Saar und Ruwer sind in nahezu allen Bereichen positive Veränderungen zu verzeichnen. Unter den Winzern, gerade in der jungen, nachstrebenden Winzergeneration, herrscht eine sehr positive Stimmung und freundschaftliche Atmosphäre – es ist ein großes Engagement für die (gemeinsame) Weiterentwicklung der Region zu erkennen. Betrachtet man neben den Menschen ebenfalls die weinbaulichen Aspekte, tragen modernste Technik und Fortschritt in Bezug auf Raupen-Mechanisierungs-Systeme zum Erhalt des Steillagenweinbaus und damit dem Erhalt der Kulturlandschaft Mosel bei. Auch die immer weiter voranschreitende Globalisierung kann große Vorteile für unsere Mosel-Weine mit sich bringen. Die Öffnung der Märkte sowie das Internet tragen zu einer immer „vernetzteren“ Welt bei, auf der Mosel-Rieslinge trotzdem einzigartig und nicht austauschbar bleiben. Diesen Vorteil gilt es zu nutzen, um die positive Entwicklung weiter, auch international, voranzutreiben.

Keine durchweg positive Entwicklung, aber eine, mit der wir alle zurechtkommen müssen, ist der zu verzeichnende Klimawandel, der erheblichen Einfluss auf die Arbeit aller landwirtschaftlichen Betriebe hat. Meiner Meinung nach werden wir es mit immer extremeren Wetterphänomenen zu tun bekommen: extremer Hagel, extreme Trocken- oder Nassperioden, extreme Unwetter. Und doch bleibt im Grunde genommen alles beim Alten: Jahr für Jahr, bzw. Tag für Tag müssen wir uns aufs Neue individuell und optimal auf die von der Natur gegebenen Situationen einstellen und mit der Natur zusammenarbeiten, um die bestmögliche Traubenqualität zu erhalten.

Anfang des 20. Jahrhunderts führten Mosel- und Saarweine die TOP-Listen der Welt an und erzielten die höchsten Preise. Warum rutschten Mosel und Saar in das Nirwana der Weine ab?

Leider haben sich die Winzer größtenteils den Ast selbst absägt, auf dem sie eigentlich so sicher saßen. Ganz allgemein gehalten soll dies sagen: vermehrt setzte man auf Quantität anstatt Qualität, zog aus den einzigartigen Steillagen in die austauschbaren Flachlagen und überschwemmte die Märkte mit billiger Massenware. Das, was die Moselweine einst ausgemacht hatte, geriet hierbei komplett in Vergessenheit: naturreine Steillagen-Prädikatsweine, die wegen ihres animierenden Spiels an Schiefermineralität, reifer Frucht, der Säure des Rieslings und etwas Restsüße einzigartig auf der Welt waren.

Was ist passiert, dass die Welt wieder auf die Weine der Mosel, Saar und Ruwer schaut? Wem haben sie das zu verdanken?

Die Mosel hat in den letzten beiden Jahrzehnten einen erneuten Umbruch erlebt – unter Berufung auf alte Traditionen und Rückbesinnung auf das, was unser Anbaugebiet (und daher auch unsere Weine) einzigartig auf der Welt macht, wächst eine neue Winzer-Generation heran, die die Mosel wieder zu einstigem Weltruhm führen möchte. Zusammenarbeit, Loyalität, Freundschaft und Austausch, nicht nur untereinander, sondern auch mit den sogenannten „Flaggschiffen“ und „Leuchttürmen“, werden gelebt und tragen maßgeblich zu einer positiven Grundstimmung, einem enormen Fortschritt in Hinblick auf die Qualität der Mosel-Weine bei. Durch Veranstaltungen wie „Mythos Mosel“ oder Erfolge bei nationalen und internationalen Wettbewerben wird dieser Fortschritt auch für Außenstehende sichtbar und nachvollziehbar und macht wieder aufmerksam und neugierig auf die Spitzenweine von Mosel, Saar und Ruwer.

Welches war Ihre größte Hürde im Weinbau?

Vor Mitte der Achtziger Jahre bestand nahezu keine Möglichkeit, Besitz in den Spitzen-Steillagen der Mittelmosel zu erwerben – zu begehrt waren die Parzellen in den großen Lagen der Mosel. Da ich keine Weinberge in diesen Steillagen mein Eigen nennen konnte, stellte der Anfang die wahrscheinlich größte Hürde für mich dar.

Mitte der Achtziger Jahre ergab sich dann, aufgrund der Schwierigkeiten, in denen sich das Anbaugebiet befand, die Möglichkeit, ebendiese Steillagen zu erwerben. Für junge, aufstrebende Betriebe eine große Chance, wenn auch aufgrund der Krise verbunden mit einem hohen Risiko.

Eine weitere Hürde bestand zunächst in der Vermarktung der Weine – hochwertige Steillagen-Rieslinge zu verkaufen in einer Zeit, in der die Mosel nahezu nur noch für günstige, lieblich-leichte Weine bekannt war, stellte eine große Herausforderung dar, der wir uns aber gerne gestellt haben.

Sie sind ein Globalplayer und ein Vorbild für die Jugend. Welche der Rollen ist Ihnen die liebste und warum?

Die Rolle des Mosel-Steillagen-Winzers. Es gibt wohl nahezu keinen so vielfältigen Beruf wie den des Winzers – Weinbergsarbeit, Kellerarbeit, Büroarbeit, Kundenkontakt. Und wenn man diesen Beruf in einer der schönsten und eindrucksvollsten Regionen der Welt ausüben kann, die selbst gemachten Weine genießen kann und mit einer derart engagierten jungen Winzerschaft zusammenarbeiten kann, dann vergisst man gerne auch einmal, wie nervenaufreibend und zeitintensiv die Arbeit auch an manchen Tagen ist.

Egon Müller hat 2015 bei der VDP-Auktion 12.000€ für eine Flasche TBA erhalten. Was bedeutet das für das Weinbaugebiet Mosel und was bedeutet das für den deutschen Wein?

Dieser Erfolg auf der Versteigerung in Trier hat international (nicht nur in der Weinszene) für größtes Aufsehen gesorgt. Egon hat es geschafft, die Aufmerksamkeit der gesamten Weinwelt auf unser Weinanbaugebiet und unsere Rieslinge lenken zu können. Durch solche Erfolge erlangt der Mosel-Riesling Stück für Stück seine hohe Anerkennung, die Anfang des 20. Jahrhunderts Weltruhm gleich kam, zurück. Genau diese Leuchttürme wie Egon Müller benötigt die Mosel bzw. der deutsche Wein im Allgemeinen, um wieder zu international höchstem Ansehen zurück zu gelangen. Wir freuen uns sehr für Egon und sein Team, für die Mosel und den deutschen Weinbau!

Sie rekultivieren zur Zeit mit Roman Niewodniczanski alte Rebflächen an der Saar. Was ist Ihre Motivation dazu?

Seit dem Jahrgang 2000 bewirtschaften wir Weinberge an der Saar. In der Regel ist es am Nebenfluss der Mosel etwas kühler, die Weine stellen daher eine besondere Spielart des „Mosel“-Rieslings dar. Saar-Rieslinge ergänzen unser Mittelmosel-Portfolio daher perfekt. In diesem Jahr habe ich ein Projekt gemeinsam mit meinem Freund Roman gestartet: hierbei geht es um die Rekultivierung der Weinbergsflächen in der Lage Ockfener Geisberg. Der Geisberg ist eine alte Grand Cru-Lage der Saar mit faszinierendem Boden. Wir erhoffen uns in dieser Steillage kühl-mineralische, vollreife Rieslinge mit lebendiger Säure-Struktur, die sich durch einen moderaten Alkoholgehalt auszeichnen. Außerdem möchten wir einen Teil zum Erhalt der Kulturlandschaft Mosel-Saar-Ruwer beitragen – es ist uns ein großes Anliegen, Kulturflächen aufrecht zu erhalten und so unseren Teil zur Bewahrung der Tradition und Weiterentwicklung für die nächste Generation zu leisten.

Markus Molitor ging es in unserem Gespräch um das Weinbaugebiet Mosel. Mich verwundert es nicht, dass er demütig und bescheiden seinen größten Erfolg nicht erwähnt hat. Gerne hole ich dies nach: Erstmals ist es einem deutschen Winzer gelungen, innerhalb von zwei Jahren vier mal 100 Punkte vom amerikanischen Weinpapst Robert Parker Robert Parker für seinen Wein zu erhalten. Davon zuletzt im März 2015 gleich drei mal für seine 2013er edelsüßen Auslesen ***Wehlener Sonnenuhr.  

Molitor hatte bereits mit seiner 2011er Three Star Riesling Auslese von der Wehlener Sonnenuhr gezeigt, dass man mit ihm rechnen musste. Denn seinerzeit zog er gleich mit südfranzösischen Winzerstar Michel Chapoutier gleich. Sie waren die einzigen, die für diesen Jahrgang die volle Punktzahl erhielten

Deshalb möchte ich es an dieser Stelle sicher stellvertretend für viele Winzerkollegen, Händlerkollegen, Gastronomen und Weintrinker nachholen:

Danke Markus Molitor, mit Ihrer Strahlkraft weltweit sind Sie einer der besten Botschafter für Wein von Mosel, Saar und Ruwer und den deutschen Wein…

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